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Outdoor 2017 News 3: Neue und überarbeitete Auto-Tuber

Auch bei den Auto-Tubern gibt es interessante Neuigkeiten und Überarbeitungen von Mammut, Climbing Technology und Black Diamond. Auto-Tuber, wie z.B. das Edelrid (Mega-)Jul, das Mammut Smart, das Click-Up von CT, das Austrialpin Fish und das Salewa Ergo sind zu einer festen Größe im Markt der Sicherungsgeräte geworden, weshalb wir uns die Neuigkeiten einmal genauer angeschaut haben:

Das Click-Up von Climbing Technology, als auch das Smart von Mammut wird einer grundlegenden Überarbeitung unterzogen. Die Zielrichtung ist hier bei beiden Geräten mehr Bedienungskomfort, aber vor allem auch mehr Sicherheit. Letzteres will man erreichen, indem man jeweils einen Mechanismus einbaut, der ein Durchlaufen des Seils auch bei ungünstigen Winkelstellungen des Bremsseils verhindert. Von Black Diamond kommt im Frühjahr 2018 wohl das ATC-Pilot, welches eigentlich schon für 2017 angekündigt war. Outdoor 2017 News 3: Neue und überarbeitete Auto-Tuber weiterlesen

Outdoor 2017 News 2: Kletterschuhe von Black Diamond

Neben Wild Country ist Black Diamond die zweite etablierte Marke, die 2018 erstmals Kletterschuhe auf den Markt bringen will.

  • Die Amerikaner setzen dabei auf eine größere Modellvielfalt als Wild Country und wollen im Frühjahr mit 5 Modellen in die Geschäfte kommen. Bei den Einstiegsmodell Momentum wird es dann noch eine Herren-, eine Damen- und eine Kids-Variante geben und bei dem High-End-Sportklettermodell Focus wird auch ein Damen- und eine Herren-Variante zu kaufen sein. Insgesamt steigen die Amerikaner also mit 7 unterschiedlichen Schuhen in den Markt ein. Die Schuhentwickler von BD geben bei den einzelnen Modellen auch den bevorzugten Einsatzbereich vor:
  • Die Momentum-Reihe (Herren, Damen und Kids) entspricht dem klassischen Einsteiger-Schuh, bei dem eine optimale Balance zwischen Komfort und Leistungsfähigkeit für Neu-Einsteiger und Komfortsuchende erreicht werden soll.
Bild zeigt die Damenvariante des Momentum, dem neuen Einsteiger-und Komfortschuh von Black Diamond
Die Damenvariante des Momentum, dem neuen Einsteiger-und Komfortschuh von Black Diamond
Bild zeigt den neuen KinderKletterschuh Momentum Kids von Black Diamoind
… und das Modell für den kletternden Nachwuchs, der Momentum Kids
  • Der Aspect ist ein klassischer Trad- und Risskletterschuh
  • Der Focus (Herren und Damen) als High-End Sportkletterschuh mit hoher Kantenstabilität
  • Der Shadow als reinrassige Boulderwaffe mit starken Downturn und weicher Sohle
Bild zeigt den neuen Shadow von Black Diamond. Ein Schuh zum Bouldern und für steile Routen
Der neue Shadow von Black Diamond soll vor allem zum Bouldern und für steile Routen optimiert sein

Die Schuhe sehen insgesamt nicht ganz so ungewöhnlich aus, wie die von Wild Country und haben auch weniger komplett neue Techniken und Innovationen verbaut. Dass muss aber ja nicht unbedingt schlecht sein, schließlich gibt es ja auch bei den „traditionellen“ Schuhen welche, die in Ihrem jeweiligen Einsatzbereich hervorragend funktionieren. Allerdings erkennt man bei näherer Betrachtung dann doch einige Neuheiten und Innovationen:

  • Als erstes fällt auf, das BD bei einigen Modellen (die Momentum-Reihe) auf ein komplett gestricktes Obermaterial setzt und bei anderen die Zunge aus gestricktem Material gefertigt ist (Aspect, Focus Men + Women, Shadow). Laut BD soll diese Material verschiedene Vorteile bieten:
    • Bei einem gestrickten Material kann ich je nach Anforderung im jeweiligen Bereich im wahrsten Sinne des Wortes nahtlos zwischen flexiblem, stretchigem und zugfestem Verhalten des Gestricks wechseln.
    • Das gestrickte Material soll deutlich atmungsaktiver und auch weniger anfällig für die Bildung unangenehmer Gerüche sein.
    • Auserdem soll das gestrickte Material schneller trocknen, als vergleichbare Schuhe aus (Kunst-) Leder.
Bild zeigt den neuen Kletterschuh Momentum Men von Black Diamond
Der Momentum für Herren mit dem neuen gestrickten Obermaterial
Bild zeigt Nahaufname des Momentum Women mit gestricktem Obermaterial
Die neue „Knit-Technology“ in der Nahaufnahme des „Damen-Momentum“ gut zu erkennen.
  • Auch bei den Sohlen setzt BD eine neue Technik ein. Ähnlich wie Wild Country setzen die Amerikaner hier auf eine „molded rubber technology“, also eine Sohle, die in einer speziellen Form hergestellt wird und nicht einfach aus einer großen gleichmäßigen Gummiplatte ausgeschnitten wird, wodurch eine 3-dimensionale Sohle möglich wird, die dadurch in verschiedenen Bereichen unterschiedliche Eigenschaften erhalten kann.
  • Auch der Gummi ist eine neue, von BD entwickelte Mischung, die „Neo Friction Rubber“ genannt wird. Es wird sie in drei Varianten geben:
    • Neo Friction als Basis-Mischung, die den optimalen Kompromiss aus Härte, Haftung und Haltbarkeit darstellen soll. Diese Sohle wird in der Momentum-Reihe verbaut.
    • Neo Friction Edge, die härter ist und somit die beste Kantenstabilität garantieren soll. Diese Sohle kommt beim Aspect und den beiden Focus-Modellen zu Einsatz.
    • Neo Friction Grip, die weicher ist und damit optimale Haftung und Reibung bieten soll. Diese Sohle soll beim Shadow für höchste Reibung und Sensibilität sorgen.
  • Bei den drei Top-Modellen, Shadow, Focus Men + Women, bringt Black Diamond einen Hemp-Liner, also einen Futterstoff aus Hanf zum Einsatz, der mehr Komfort bieten und die Entstehung unangenehmer Gerüche dämpfen soll.

Die neue Technologien, die Black Diamond hier in den Schuhen präsentiert klingen definitiv vielversprechend, allerdings sind bei einem Kletterschuh natürlich immer auch die Passform und das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten entscheidend. Da wir die Schuhe demnächst noch einmal präsentiert bekommen, können wir dazu evtl schon bald mehr verraten…

 

Outdoor 2017 News 1: Kletterschuhe von Wild Country

Auch Wild Country steigt in den umkämpften Kletterschuh-Markt ein. Die Hardwaren-Schmiede aus England stellten zwar nur die Prototypen zweier Modelle vor (Meshuga mit Klett und Parthian zum Schnüren) und haben sich auch noch nicht getraut einen Auslieferungstermin bekannt zu geben, aber die beiden Modelle, die da vorgestellt wurden, haben es definitiv in sich…

Bild zeigt die beiden Modelle der neuen Kletterschuhe von Wild Country
Wild Country stellt nur zwei Modelle vor, aber die haben es in sich…

Wild Country hat in enger Zusammenarbeit mit dem französischen Reifenhersteller Michelin geschafft so viele neue Techniken und Materialinnovationen in einen Kletterschuh zu packen, wie man es, auch bei den etablierten Herstellern schon lange nicht mehr gesehen hat…
Sollte das alles so zusammenwirken und funktionieren, wie es der Entwicklungsleiter uns auf der Messe erklärt hat, dann wird dieser Kletterschuh ganz sicher ein ganz heißes Teil. Zusammen mit dem Revo, dass jetzt definitiv im November 2018 ausgeliefert werden soll, zeigt Wild Country, dass es, mit der Power der Oberalp Gruppe im Rücken, ein hochinnovatives Unternehmen ist.
Das wir mit unserer ersten natürlich erst einmal theoretischen Einschätzung der beiden Modelle als eines der innovativesten neuen Produkte der Outdoor 2017 richtig liegen, zeigt auch der Massive Andrang der Fachbesucher am Wild Country Stand und deren Interesse an den neuen Schuhmodellen, sowie der Outdoor Industry Award 2017, den Wild Country für den Meshuga, das Modell mit den beiden Klettverschlüssen, eingeheimst hat. Wild Country Meshuga erhält den Outdoor Industry Award

Was an den neuen Kletterschuhen vonWild Country ist so innovativ?

Fangen wir bei der Sohle, also dem Fundament und wichtigstem Teil eines Kletterschuhs an, die in Zusammenarbeit mit dem bekannten französischen Reifenhersteller Michelin entwickelt wurde.Bei dieser Zusammenarbeit kann man also schon mal davon ausgehen, das die Leute von Michelin etwas von Gummimischungen und -verarbeitung verstehen. Die Sohle fühlte sich auf jeden Fall schon mal ordentlich „pappig“ an, ohne damit jetzt schon etwas im Vergleich mit anderen Sohlengummis sagen zu können oder zu wollen. Um dies zu könnnen, muss man erst mal unter gleichen Bedingungen Vergeichstests anstellen.

Konzeptuell neu an der Sohle ist, dass sie nicht einfach aus einer Gummiplatte ausgeschnitten wird, sondern dass jede Sohle einzeln 3-dimensional in einer Form gespritzt wird. Dies führt laut Wild Country dazu, dass man die Möglichkeit hat in verschiedenen Bereichen der Sohle unterschiedliche Eigenschaften zu erzeugen. Unter anderem dadurch sei man in der Lage auf eine Zwischensohle zu verzichten, könne so einen sehr weichen und extrem sensiblen Kletterschuh herstellen, ohne dabei an Kantenstabilität zu verlieren. Sollte sich diese Aussage auch nur zu 50% bestätigen kämen wir der eierlegenden Wollmilchsau-Kletterschuhsohle schon ein ordentliches Stück näher.

Bild zeigt die gespritze Sohle der neuen Wild Country Kletterschuhe
Hier sieht man gut die dreidimensionale Sohle der beiden neuen Kletterschuhe von Wild Country

Das zweite neue Konzept an den Kletterschuhen von Wild Country betrifft das Obermaterial. Hier verwendet Wild Country erstmal ein dreilagiges Laminat, wie auf dem Foto zu sehen ist. Auch hier liegt das Augenmerk der Entwickler auf den dadurch entstehenden Möglichkeiten, durch eine Veränderung der einlaminierten PU-Schicht an jeder Zone des Schuhs in dem Außenmaterial, die jeweils an dieser Position erwünschten Eigenschaften (mehr oder weniger Stretchfähigkeit, Dehnungsresistenz, Dehnungsrichtung und ähnliches) realisieren zu können.

Bild zeigt das 3-lagige Laminat des Oberstoffes der Kletterschuhe
Der Aufbau des Oberstoffes bei den neuen Kletterschuhen von Wild Country

Alleine durch/mit dieses/m Außenmaterial sei man in der Lage, auf das sonst bei jedem Kletterschuh übliche Fersenband zu verzichten und trotzdem die Spannung im Schuh dauerhaft zu gewährleisten, da die Zugkräfte in diesem Bereich alleine durch das Außenmaterial aufgenommen werden können. Das fehlende Fersenband führt auch zu einer ganz eigenständigen Optik, die für einen Kletterschuh durchaus erst einmal ungewohnt ist. Wie sich ein solches dreilagiges Material in Bezug auf die Atmungsaktivität verhält, interessiert uns aber jetzt schon sehr…

Das neue Grigri+ im Praxistest

Das neue Grigri, das Grigri+ ist da  und wir haben uns angesehen, was es kann und für wen ein Kauf sinnvoll ist. Alle Neuheiten des Grigi+ im Vergleich mit den vorherigen Grigri-Modellen, aber auch ein Vergleich mit anderen Halbautomaten zum Sichern, findet Ihr in unserem großen Praxistest:

Bild Grigri I, Grigri II und Grigri+
Die Petzl Grigri Familie

 

Das neue Grigri+ im Praxistest weiterlesen

Test Edelrid Ohm

Bild des neuen Edelrid Ohm
Das neue Edelrid Ohm

Das Ohm von Edelrid:

Was ist das Ohm:

Das neue Ohm von Edelrid ist ein bisher ziemlich einzigartiges Gerät, dass das Sichern beim (Sport-)Klettern für Kletterpartner mit großem Gewichtsunterschied erheblich sicherer und komfortabler machen soll. Es ist, um hier gleich ein Missverständnis zu klären, kein neues Sicherungsgerät (auch wenn es auf unserer Seite unter dieser Kategorie zu finden ist), sondern ein Gerät, welches zusätzlich, als sogenannter Vorschaltwiderstand in die Sicherungskette integriert wird, um einen zu großen Gewichtsunterschied zwischen Kletterer (schwerer) und Sicherer (leichter) auszugleichen bzw. zu nivellieren. Es wird anstatt einer Exe in den ersten Haken einer Tour eingehängt und soll bei einem Sturz und auch beim Ablassen des Partners mehr Reibung in die Sicherungskette einbringen, sodass der leichtere Sicherungspartner nicht zu weit nach oben gezogen wird und dadurch eine evtl. gefährliche Sturzstreckenverlängerung eintritt, der Sicherer „in“ die erste Exe gezogen wird, oder die Kletterpartner zusammenprallen. Dies bietet zum einen mehr Sicherheit für beide Beteiligten und zum anderen mehr Komfort und ein besseres Handling, vor allem für den leichteren Sicherer.

Wie funktioniert das Ohm und kann es das leisten, was es verspricht? Diese Fragen sind wir den letzten Monaten, in denen wir das Ohm auf Herz und Nieren getestet haben, auf den Grund gegangen. Unsere Ergebnisse findet Ihr in diesem Testbericht:

Wie funktioniert das Ohm:

Das Ohm ist für die komplexe Aufgabe, die es ausführen soll eigentlich doch recht einfach aufgebaut. Beim Ohm wird das Seil durch eine Führung geleitet, die eine v-förmige Kerbe, ähnlich wie bei modernen Tubern, hat. Diese, wir nennen sie mal Bremsrille spielt ihre Bremskraft aber nur aus, wenn das Seil mit genügend Zug und in einem bestimmten Winkel durch das Gerät läuft. Das Zusammenspiel und die Abstimmung dieser beiden Faktoren ist der Clou des Ohm. Es führt dazu, dass in der Theorie  die zusätzliche Bremskraft nur dann in das System eingebrachet wird, wenn es gewünscht ist, also bei einem Sturz im Vorstieg, oder beim „Ins-Seil-setzen“ im Nachstieg, aber nicht, wenn man als Vorsteiger Seil zum Klippen der nächsten Ex ausziehen will.
Das Ohm ist so konstruiert,  dass die Bremswirkung nur dann einsetzt, wenn das Seil mit entsprechendem Zug im 90° Winkel zur Gerätehauptachse durch das Ohm läuft, das Ohm im Einsatz also senkrecht von der Wand absteht. Das ist auch der Hintergrund, warum das Gerät relativ schwer ist, da es dadurch bei weniger Zug (Seilausziehen zum Klippen) nicht hochgezogen wird und deshalb nicht bremst und den klippenden Kletterer nicht behindert.

Zusätzlich hat Edelrid es noch so eingestellt, dass es im Falle eines Vorstiegssturzes in den ersten Haken, also in das Ohm selber auch eine zusätzliche Bremskraft über die Bremsrille eingebracht wird, sodass auch hier die Gefahr des Zusammenprallens und / oder Bodensturzes entscheidend minimiert wird. Wie gut es Edelrid geschaftt hat, diese drei Faktoren auf optimale Weise aufeinander abzustimmen und damit, wie gut das Gerät in der Praxis funktioniert, das haben wir in unserem Test untersucht und geklärt. Zu erwarten war, und das hat sich auch in der Praxis bestätigt, dass das Ohm durchaus abhängig von  der Dicke und dem Zustand des verwendeten Seil ist.

Das Ohm in der Praxis:

Wir haben das Ohm in verschiedenen Konstellationen aus Sicherer und Kletterer getestet. Die Gewichtsunterschiede reichten hier von 57/70 was einem 23% schwererem Kletterer entspricht und damit noch innerhalb der vom DAV und Sicherheitskreis „erlaubten“ Gewichtsunterschiede von höchstens 30% bis zu 45/85, was einem 88% schwererem Kletterer entspricht und damit deutlich außerhalb der empfohlenen Grenzen liegt.

Was macht das Ohm bei einem Vorstiegssturz:

Klar war schon nach wenigen Versuchen, dass das Ohm  bei einem Vorstiegssturz des schwereren Kletterers hervorragend funktioniert und damit auf jeden Fall ein deutliches Sicherheitsplus für Seilschaften mit größeren Gewichtsunterschieden darstellt. Der Sturz wird deutlich schneller gebremst, als dies ohne das Ohm der Fall wäre (gut zu sehen auf den Videos, auf denen wir versucht haben das jeweils gleiche Ausgangsszenario einmal mit und einmal ohne Ohm festzuhalten). Der Sturz wird trotzdem natürlich nicht statisch geblockt, sondern man stürzt, wenn man sonst keinen weiteren zusätzlichen Widerstand in der Sicherungskette hat (dazu weiter unten mehr), trotzdem angenehm weich, aber eben nicht mehr so weit. Ein Sturz eines deutlich schwereren Kletterers mit dem Ohm in der Sicherungskette ist durchaus vergleichbar mit dem „Feeling“ bei einem Sturz bei gleich schweren Kletterpartnern und einem erfahrenem Sicherer. Diese Seite der Anforderungen erfüllt das Ohm also schon einmal nahezu perfekt. Hier zeigt sich aber auch schon, dass das Ohm abhängig von verschiedenen Faktoren auch unterschiedlich viel Bremskraft in das System einbringt. Da sich diese Effekte deutlicher beim Seilausziehen zum Klippen zeigen, auch dazu weiter unten mehr.

Was macht das Ohm beim Seilausziehen zum Klippen im Vorstieg:

Die richtige Balance aus Gewicht des Gerätes, Form der Bremsrille, Winkel in dem die Bremskraft eingebracht wird und der Stärke der zusätzlichen Bremskraft, war sicher die kniffeligste Aufgabe für die Ingenieure und Produktmanager bei Edelrid. Das Gerät soll ja eine durchaus komplexe Situation meistern, wo es auf der einen Seite, wenn der Seilzug vom Seilausziehen beim Klippen kommt, möglichst überhaupt keine zusätzliche Reibung ins System implizierern soll. Auf der anderen Seite bei einem Vorstiegssturz (und auch beim in’s Seil setzen bei Top-Rope-Sicherung) möglichst die richtige Menge an zusätzlicher Bremskraft einbringen um den Sturz zwar deutlich kürzer zu machen, aber trotzdem noch weich abzufangen. Als zusätzlicher Pluspunkt betrachten wir noch die Tatsache, dass das Ohm auch bei einem direkten Sturz in das Gerät selbst, wenn der Vorsteiger also direkt nach dem Klippen des ersten Hakens fällt, auch die nötige zusätzliche Kraft einbringt um den Sturz möglicherweise sogar entscheidend zu verkürzen. Die eine Hälfte der Aufgabe verrichtet das Ohm auf jeden Fall schon einmal einwandfrei, wie schon beschrieben.
Für die zweite Hälfte der Aufgabe ist sicher eine differenziertere Betrachtung nötig, da hier viele verschiedene Faktoren mit hinein spielen. Was man aber schon einmal vorweg nehmen kann, ist, dass das Ohm seine Aufgabe beim Sportklettern draußen und in der Halle in 90% der Fälle mit Bravour löst. Was soll jetzt hier 90% bedeuten? Das Ohm ist natürlich, wie auch zum Beispiel alle Sicherungsgeräte zum einen von verschiedenen äußeren Umständen und zum anderen von dem Bediener, womit in diesem Fall auch der Sicherer gemeint ist und nicht etwa der Kletterer.

Welche äußeren Umstände beeinflussen das Ohm?

 

  • Der Zustand und die Dicke des verwendeten Seils:

    Dieser Punkt sollte natürlich jedem klar sein, der sich die Funktionsweise des Ohm anschaut und nicht erst seit zwei Wochen klettert. Diesen Effekt kennt jeder von herkömmlichen Tubern, die ich bei Benutzung mit einem ausreichend dicken, alten, störrischen, aufgepelzten Stricke quasi in einen Autotuber verwandeln kann, bei dem ich das Bremsseil oft nur noch mit zwei Fingern halten musst. 😉 Beim Ohm bedeutet das, wenn man mit einem sehr dicken (>10mm), alten, aufgepelzten und oder störrischem Seil unterwegs ist, wird das Ohm öfter mal auch beim schnellen Seilausziehen soweit hochgezogen, dass es zusätzlich bremst und damit den Vorsteiger mehr oder weniger stark behindert.

  • Auch kann es vorkommen, wenn mehrere Faktoren ungünstig zusammenspielen, dass der Sturz bei Verwendung eines solchen Seiles unangenehm hart wird. Wir hatten diesen Fall z.B. bei der Verwendung eines sehr günstigen 10mm Tendon Seils, das leider schon nach relativ kurzer Nutzungsdauer oder anders gesagt wenigen Klettermetern schon sehr steif und störrisch wurde. Als dann noch eine höhere Seilreibung nach bzw. über dem Ohm durch eine wenig geradlinige Routenführung, verstärkt wiederum durch das Seil, zustande kam, resultierten diese Faktoren in einem sehr harten Sturz.
    Dies zeigt zum einen, dass man auch bei der Verwendung des Ohm das Hirn nicht völlig ausschalten sollte und blind auf die korrekte Funktion vertrauen darf, was aber eigentlich selbstverständlich sein sollte.
  • Zum anderen zeigt es aber auch, dass es durchaus sinnvoll sein kann, etwas mehr in ein qualitativ hochwertiges Seil zu investieren. Das ist aber eine andere Geschichte und wird von uns bald in einem eigenen Artikel / Test besprochen…

 

  • Der Sicherer und zwar in mehrfacher Hinsicht:

    • Der Standpunkt des Sicherers:

      Der optimale Standpunkt für den Sicherer ist ganz klar direkt senkrecht unter der ersten Zwischensicherung, also in dem Fall dem Ohm. Je weiter der Sicherer von diesem optimalen Standpunkt abweicht, sei es aus Unachtsamkeit, oder weil es an dieser Stelle nicht anders möglich ist, desto öfter wird das Ohm das Seilausziehen des Vorsteigers behindern. Auch das kann man sich eigentlich ganz einfach herleiten: Steht man als Sicherer direkt unter dem Ohm, läuft das Seil in einem idealen 180° Winkel durch das Gerät. Je weiter man von diesem Standpunkt abweicht/abweichen muss, desto kleiner/spitzer wird der Winkel und je spitzer der Winkel ist, mit dem das Seil durch das Gerät läuft, desto höher wird die Reibung im Gerät ausfallen und somit das Ohm um so eher (ungewollt) nach oben gezogen werden.

    • Das generelle Seil-Handling des Sicherers (und des Vorsteigers).

      Gibt der Sicherer spät und wenig Seil, wenn der Vorsteiger beginnt zu ziehen, oder zieht der Vorsteiger sehr schnell und hektisch Seil nach, so wird das Ohm das ab einem gewissen Punkt mit zusätzlichem Bremsen quittieren. Dies wird logischerweise in dem Moment problematisch, wo noch andere Faktoren, wie z.B. ein falscher Standpunkt und/oder ein altes, dickes Seil, negativ in das Gesamtsystem hinein wirken.

 

 

  • Der Routenverlauf:

    Will ich mit dem Ohm eine Route klettern, die einen sehr verzwickten bzw. wenig geradlinigen Seilverlauf hat, wird ab einer gewissen Höhe des Vorsteigers die Seilreibung sowieso relativ hoch, was dann unserer Erfahrung nach auch wieder eine geringere „Fehlertoleranz“ des Ohm zur Folge hat. Eigentlich würde man das Ohm in einer solchen Situation natürlich nicht mehr benötigen Es sind aber natürlich Situationen vorstellbar (und bei unseren Tests auch eingetreten), in denen man bis zu einer gewissen Höhe auf der sich dann durch den Routenverlauf genug Seilzug aufgebaut hat, gerne auf die Dienste des Ohms zurückgreifen möchte, darüber hinaus es aber schöner wäre, wenn das Ohm nicht (mehr) im System wäre. Hier hilft definitiv nur ein evtl gemeinsames Abwägen, welche Vorteile überwiegen, bzw. ob es einfach und ohne Gefahr möglich ist, das Ohm während des Kletterns aus der Sicherungskette zu bekommen, ähnlich wie es viele Kletterpaare mit unterschiedlichem Gewicht ja schon praktizieren, wenn sie ab einer gewissen Höhe des schwereren Vorsteigers, den ersten Haken aushängen, um zu verhindern, dass der Sicherer in die erste Exe gezogen wird.

Fazit:

Das Ohm von Edelrid ist ein Gerät, dass das Klettern für Kletterpartner/Seilschaften mit einem größeren Gewichtsunterschied deutlich vereinfacht, komfortabler und vor allem auch sicherer macht. Es ist, in der gedachten Weise beim Sportklettern, sowohl in der Halle, als auch am Fels in den allermeisten Situationen sehr gut einsetzbar und sehr oft eine große Hilfe. In manchen Fällen kann das Ohm das gefahrlose Klettern von Partnern mit sehr großem Gewichtsunterschied erst ermöglichen.  Das Ohm erfüllt die ihm zugedachte Aufgabe hervorragend und wir können das Gerät allen Kletterpaaren bzw. Seilschaften in denen ein größerer Gewichtsunterschied besteht nur wärmstens empfehlen. Das ebenfalls angeboten Bauer ist in unseren Augen nicht wirkliche eine Alternative. Ab einem Gewichtsunterschied von mehr als 30% würden wir das Ohm beim Sportklettern fast als Pflicht sehen. Man kann natürlich einwenden, dass es bei vielen Paaren bisher auch ohne Ohm ging, aber man konnte auch lange ohne Sicherheitsgurt Auto und ohne Helm Motorrad fahren, aber seit es Sicherheitsgurt und Helm gibt, ist es eben einfach cleverer diese auch zu nutzen.

Klar ist aber auch, dass das Ohm, wie auch alle anderen Geräte die direkten Einfluss auf die Sicherungskette haben, immer mit Bedacht eingesetzt werden sollte. Es gibt durchaus Situationen, in denen man das Ohm besser nicht einsetzt (Dazu weiter unten mehr) und es gibt Situationen in denen man die Vorteile und Nachteile eines Einsatzes des Ohm gut abwägen sollte. Wie bei jedem Sicherungsgerät gilt auch für das Ohm, dass auch erfahrene Kletterer sich erst einmal mit dem Gerät vertraut machen müssen, die Handhabung trainieren sollten und weniger erfahrene Kletterer den Umgang von und mit einem, am besten ohm-erfahrenen Kletterer oder auch einem Sicherungskurs erlernen sollten und die Grenzen des Gerätes kennen sollten.

Die Grenzen des Ohm:

Es gibt, wie schon in der Einleitung geschrieben, durchaus speziellere Situationen, in denen das Ohm, auch wenn es in der großen Mehrzahl der denkbaren Szenarien beim Sportklettern hervorragend funktioniert, nicht oder nur sehr bewußt eingesetzt werden kann. Auch wenn diese Szenarien beim Sportklettern im gesicherten Klettergarten oder der Halle die Ausnahme sind, wollen wir sie hier aufführen, schon allein um potentielle Nutzer für die Grenzen des Gerätes zu sensibilisieren. Außerdem scheint es uns wichtig zu zeigen, dass auch dieses Gerät, wie z.B. auch alle Sicherungsgeräte, immer mit dem entsprechenden Bewußtsein für die Grenzen und „Schwächen“ des jeweiligen Geräts gehandhabt werden müssen.

  • Längere Routen in Kombination mit wenig geradlinigem Verlauf der Sicherungspunkte, was zu ab einer gewissen Kletterhöhe durch die Seilreibung von sich aus zu einem erhöhtem Widerstand in der Sicherungskette führt. Zu beachten ist hierbei, dass dies sowohl bei seitlichem abweichen von der Geraden, als auch bei Kletterrouten, die über mehrere Dächer, Wülste und oder Vorsprünge führen der Fall sein kann. (siehe auch Skizze 1)
  • Bei der Benutzung alter, dicker und störrischer Seile.
  • Mobile oder zweifelhafte Sicherungspunkte die im Routenverlauf vorkommen:
    Auch in solchen Situationen ist die Verwendung des Ohm natürlich eine Abwägungssache. Klar ist, wenn sich das Ohm in der Sicherungskette befindet wird der Sturz (wenn alle anderen äußeren Umstände gleich sind) härter und damit auch die Belastung auf mobile oder zweifelhafte Sicherungspunkte größer. Insofern ist, bis auf einige Ausnahmefälle, die die jeweilige, hoffentlich entsprechend erfahrene Seilschaft selbst abschätzen muss, von der Verwendung des Ohms hier abzuraten.
  • Möchte man ein Top-Rope installieren, in welches das Ohm integriert werden soll, gibt es verschieden Möglichkeiten, die aber alle nicht perfekt sind:
    • Der Vorsteiger hängt, wenn er abgelassen wird, das Ohm um, also vom Seilende, das aus dem Sicherungsgerät kommt, in das Seilende, das an seinem Gurt befestigt ist. Problematisch, wenn viel Zug auf dem Seil ist und der Vorsteiger dieses nicht entlasten kann, weil das Ohm dann schwierig umzuhängen ist.
      • Mögliche Lösungen:
        • Man fixiert sich im ersten Haken und kann dann das Seil entlasten
        • Man nimmt das Ohm aus dem Haken, was einfacher ist, hängt es dann  aus, in das andere Seilende und dann wieder in den Haken ein.

Mögliche Fehlbedienungen des Ohm:

  • Das Seil wird falsch herum in das Gerät eingehängt.
  • Das Ohm ist nicht richtig geschlossen.
  • Das Ohm wird bei wechselndem Klettern beider Partner auch dann in der Sicherungskette belassen, wenn der leichtere Partner klettert.

 

Wer uns ein wenig unterstützen möchte, kann das Ohm über den Link unten bei den Bergfreunden kaufen.

Edelrid – kaufen bei Bergfreunde.de

Wir wollen die Seite www.kletter-tests.de prinzipiell frei von Werbung aus dem Kletter- und Outdoor-Bereich halten, um wirklich unabhängig von allen Herstellern zu sein, deren Produkte wir hier testen. Deshalb sind diese Affiliat-Links genannten Hinweise unsere einzige Möglichkeit eine kleine Aufwandsentschädigung zu generieren, für die viele Arbeit und das Engagement, von immerhin drei Männer und eine Frau, welches in diese Seite steckt.

Vorab-Besprechung Wild Country Revo

Wild Country bringt ein neues Sicherungsgerät heraus und das Revo (von Revolution) genannte Gerät soll genau das sein, eine Revolution auf dem Markt der Sicherungsgeräte. Ob es das Potential dazu hat, das wollen wir in diesem „Vorab-Test“ klären…

Wir hatten schon auf der Outdoor 2016 Gelegenheit das Gerät in Händen zu halten und unter Laborbedingungen zu testen. Was wir da gesehen haben war zumindest vielversprechend. Nachdem wir noch einmal einen kurzen Test mit einem Vorserienmodell in einer Kletterhalle machen konnten, sehen wir das Potential des Revo ein weiterer Schritt hin zu einem sichereren und leichter/intuitiver zu bedienenden Sicherungsgerät zu sein. Wir sind sogar der Meinung, dass, wenn sich die Ankündigungen von Wild Country und unsere ersten Erfahrungen mit dem Gerät in der harten Praxis mit einem Serienmodell bestätigen, es wirklich der nächste große Schritt auf dem Markt der Sicherungsgeräte wird. Vergleichbar mit dem bei der Markteinführung des Grigri vor ziemlich genau 25 Jahren oder auch dem ersten Auto-Tuber, dem Smart von Mammut.

Auf der ISPO hatte Wild Country nun einen noch leicht modifizierten Prototyp des Revo dabei. Leider wird Wild Country wohl erst im November/Dezember 2017 mit der Auslieferung an die Händler beginnen. Die stets neugierige Tester-Seele in uns ist da natürlich enttäuscht. Auf der anderen Seite sind wir aber der Meinung, dass gerade ein so sicherheitsrelevantes Teil erst auf den Markt gebracht werden sollte, wenn es wirklich ausgereift ist und verstehen deshalb die Entscheidung von Wild Country, lieber etwas später auf den Markt zu gehen, als Gefahr zu laufen irgendetwas übersehen zu haben. Auf jeden Fall haben wir die Zusage von Wild Country erhalten, dass wir, sobald die ersten Seriengeräte eintreffen, ein Testmodell bekommen. Zu kaufen wird es das Revo aber wohl leider erst im Winter 17/18 geben.
Bis es soweit ist, haben wir in dieser Testankündigung schon einmal versucht, zu beschreiben, was das Revo so besonders und anders macht und warum wir glauben, dass es wirklich eine (kleine) Revolution sein könnte…

Rein technisch ausgedrückt ist das Revo ein bi-direktionales Sicherungsgerät, welches auf dem Tuber-Prinzip basiert und über eine Fliehkraftkupplung zusätzlich eine paniksichere Blockierfunktion enthält. Was heißt das konkret?
Zuerst einmal, dass das Revo schon vom Prinzip her komplett anders funktioniert und mit einer völlig neuen Konstruktion aufwartetet als alle anderen Halbautomaten, die es bisher auf dem Markt der Sicherungsgeräte gibt (Petzl Grigri, Grigri II, Grigri +,Edelrid Eddy, Camp Matik, Trango Cinch, Mad Rock Life Guard). Alle bisherigen halbautomatischen Sicherungsgeräte arbeiten nach dem Prinzip einer exzentrischen Klemmnocke , die das Seil in dem Moment einklemmt, wo (stärkerer) Zug auf das Seil kommt, welches zum Kletterer führt.
Einfach ausgedrückt funktioniert das Revo beim normalen sichern wie ein klassischer Tuber (ohne Blockierfunktion), wobei das Seilausgeben und –einholen unserer Erfahrung nach sogar noch einfacher, weil flüssiger funktioniert. Erst, wenn das Seil, z.B. aufgrund eines Sturzes, schneller durch das Gerät läuft, greift die Blockierfunktion als Sicherheits-Backup ein. Wie macht das Revo das?

Das Revo besteht aus zwei, um etwa eine viertel Umdrehung gegeneinander verdrehbaren, grauen äußeren Hälften, die das beschriebene orange-rote Rad umschließen. Löst man den kleinen Verschlusshebel (Bild 1), kann man die Hälften gegeneinander verdrehen und öffnet so das Gerät, um das Seil einlegen zu können.

Bild 1: Der Pfeil zeigt den kleinen Entrieglungshebel des Revo

Liegt das Seil im Revo, dreht man die Hälften wieder zurück und das Gerät rastet hör und spürbar ein. Man kann es nun mit jedem Verschlusskarabiner am Gurt fixieren.
Das Herzstück des Revo ist ein Rad, in dessen v-förmigem Einschnitt (Siehe Bild 2), in dem sich auch die Mitnahme und Bremsrippen befinden (Siehe Bild 3), das Seil geführt wird. Im inneren des Rades befindet sich eine Fliehkraftkupplung (genau genommen sind es zwei, für jede Drehrichtung eine) , die, sobald sich das Rad mit einer bestimmten Geschwindigkeit dreht, öffnet und dadurch das Rad blockiert.

Bild 2: Der v-förmige Einschnitt in de Rad, in dem das Seil läuft
Bild 3: Die Mitnahme- und Bremsrippen am Rad des Revo

Man kann mit dem Revo, wie von jedem normalen Tuber gewohnt, sichern Das Handling ist hier tatsächlich viel näher an einem Tuber (ohne Blockierfunktion) als an einem Halbautomaten. Dadurch funktioniert das Seilausgeben und -einholen sehr einfach, schnell und intuitiv. Auch wenn man beim Vorstieg des Kletterpartners einmal wirklich schnell Seil ausgeben muss, geht das ohne Rucken, schnell und flüssig und vor allem auch ohne, dass man die Blockierfunktion auf irgend eine Art und Weise unterdrücken, bzw. außer Kraft setzen muss oder kann. Das ist sicher schon einmal ein großes Sicherheitsplus.
Dreht sich das Seil mit einer Geschwindigkeit von mehr als 4m/s mit dem Rad, greift die Fliehkraftkupplung und blockiert den Seildurchlauf. Da sich die Kupplung im inneren des Rades befindet, ist es unmöglich diese von Wild Country „Panikfunktion“ genannte Blockierung zu unterdrücken, wie es bei den bisher bekannten Halbautomaten möglich und oft auch einmal notwendig ist.
Hat die Kupplung einmal ausgelöst und blockiert, genügt ein kleiner Ruck am Bremsseil, um diese Blockierung wieder zu lösen. Auch das funktioniert ungewohnt schnell, sicher und intuitiv. Wenn man als halbwegs erfahrener Sicherer diesen Handgriff zweimal gemacht hat, ist er schon in Fleisch und Blut übergegangen. Ein langes Trainieren der Handgriffe mit dem Gerät ist trotz seiner komplett neuen Konstruktion unserer Meinung und Erfahrung nach nicht notwendig. Wir haben es während unserer kurzen Testphase übrigens auch nicht geschafft, die Fliehkraftkupplung alleine durch schnelles Seilausgeben auszulösen, doch selbst wenn dies in der Praxis ab und zu auftreten sollte, ist die Entblockierung so schnell und intuitiv möglich, dass auch hier ein deutlicher Vorteil gegenüber bekannten Sicherungsgeräten bleibt.
Der Punkt, der tatsächlich etwas ungewohnt ist, ist der, dass das Gerät im Gegensatz zu anderen Halbautomaten nicht blockiert, wenn sich der Kletterer in das Seil setzt. Sollte man das Seil aus Unachtsamkeit losgelassen haben, greift natürlich, nach einer kurzen Verzögerung, wieder die Fliehkraftkupplung, aber wenn der Partner sich in das Seil setzt, muss man ihn aktiv halten, wie eben mit einem klassischen Tuber.
Die Auslösegeschwindigkeit von 4 Metern pro Sekunde ist laut Wild Country übrigens die Geschwindigkeit, die man erreicht, wenn man aus einem Meter Höhe auf den Boden springt. Dies stellt sicher einen guten Kompromiss dar um zum Einen noch ausreichend schnell Seil ausgeben zu können, zum Anderen aber zu gewährleisten, dass das Gerät im Falle eines Sturzes zuverlässig und ohne zu große Verzögerung blockiert. Theoretisch ist das auch der Geschwindigkeitswert, mit dem man im extrem unwahrscheinlichen Fall auf dem Boden aufkommen würde, wenn der Sicherer das Bremsseil gerade so wenig bremst, das der Wert von 4m/s nicht erreicht wird, aber auch nicht in der Lage wäre, den Sturz vor Erreichen des Bodens ganz zu stoppen bzw. zu halten. Auch wenn dieser höchst unwahrscheinliche Fall durch das Zusammenspiel mehrerer unglücklicher Faktoren einmal auftreten, sollte man das ohne große Verletzungen überstehen. Provozieren konnten wir auch diese Situation nicht, werden das aber sicher noch genauer untersuchen, sobald wir mehr Testzeit haben.

Wie das Revo aufgebaut ist und funktioniert, stellt Wild Country in diesem animierten Video auf Vimeo schön dar: Link zum Video auf Vimeo

Der Hersteller Wild Country  stellt vier Punkte heraus, worin sich das Revo in der Praxis grundlegend von den anderen Halbautomaten und sonstigen Sicherungsgeräten unterscheidet:

  1. Es gibt keine Möglichkeit die im inneren liegende Bremsautomatik zu „overriden“ also die Bremsfunktion zu auszuschalten, wie es bei Grigri und Co über den Hebel möglich ist und in der Praxis auch regelmäßig gemacht wird um schnell Seil ausgeben zu können.  Auch muss beim Ablassen des Partners kein Hebel betätigt werden, der bei falscher Bedienung (z.B. „Durchreißen“ des Hebels aus Schreck)zum Totalversagen des Systems und damit zum Absturz führen kann.
  2. Bi-Direktionalität: In das Revo kann das Seil nicht falsch eingelegt werden. Es funktioniert in beiden möglichen Richtungen absolut gleich, weil es symmetrisch aufgebaut ist. Dieses falsche Seileinlegen ist bei anderen Halbautomaten, wie dem Grigri, dem Matik, dem Cinch oder ähnlichen, ist, gerade bei unerfahrenen Kletterern eine der häufigsten Ursachen für Sicherungsunfälle.
  3. Das Revo hat ein intuitives Handling, welches keine Veränderung zu Standart-Sicherungsmethoden/-geräten erfordert. (Gemeint sind hier wohl die klassischen Tuber ohne Blockierfunktion)
  4. Das Revo kann mit jedem Verschlusskarabiner gleich betrieben werden, da dieser nur zur Verbindung mit dem Gurt dient und nicht direkt in den Blockiermechanismus involviert ist, wie z.B. bei den Autotubern. Hier führt ein anderer Karabiner zumindest zu einer anderen Bremskraft und Bremsverhalten.

Die Punkte, die Wild Country hier anführt sind sicher alle richtig und wichtig, wir würden diese aber gerade im Hinblick auf unterschiedlich erfahrene Kletterer und unterschiedliche Kletterstile noch ausdifferenzieren und ergänzen, was wir in kürze hier auch tun werden…

  1. Der wichtigste Unterschied zu bekannten Sicherungsgeräten ist für erfahrene Kletterer bzw. Sicherer das bisher unerreicht einfache, flüssige und intuitive Handling.
  2. Man kann die Blockierfunktion, die beim Revo im unmanipulierbar im Inneren liegt und der normalen Tubersicherung nachgeschaltet ist, in keinster Weise außer Kraft setzen, wie es bei allen anderen Halbautomaten möglich und zum schnellen Seilausgeben oft auch nötig ist.
  3. Man hat mit dem Revo das Gerät, mit dem man, obwohl es eine sehr sichere Blockierfunktion hat, am besten „weich sichern“ kann. Diese Aussage beruht aber wie gesagt, auf einem nur sehr kurzem Test und wir werden, sobald wir ein Seriengerät in die Hände bekommen, ganz genau schauen, wie gut das in der Praxis funktioniert.
  4. Die Handgriffe, die nötig sind, um das Revo richtig zu bedienen sind:
    1. Intuitiv und damit auch gemäß den instinktiven Reaktionen z.B. beim Erschrecken.
    2. Flüssig und ohne „Haken“ möglich, wie es z.B. oft bei den Autotubern vorkommt.
    3. Den meisten Klettereren schon vom Sichern mit dem Tuber bekannt.
    4. Auch das „Entblockieren“ des Revo, wenn die Fliehkraftkupplung einmal gegriffen hat, ist sehr schnell, einfach und intuitiv möglich. Ein kurzer Zug am Bremsseil genügt, um den Mechanismus wieder zu entsperren.
  5. Beim Ablassen des Kletterpartners funktioniert das Revo wieder wie ein normaler Tuber, allerdings mit der zusätzlichen Sicherheit der nachgeschalteten Blockierfunktion.  Das bedeutet zum einen, auch hier ist kein Hebel notwendig, wie bei den anderen Halbautomaten, der im Falle einer falschen Bedienung, z.B. durch Erschrecken, die Bremse des Geräts quasi außer Kraft setzt, oder ebendies durch eine, zumindest bisher meist hakelige Panikfunktion verhindert werden muss. Zum anderen, ist im unwahrscheinlichen Fall, das mein Sicherungspartner, aus welchen Gründen auch immer (Steinschlag, Herzinfarkt, … in der Nachbarroute klettert wahlweise Chris Sharma oder Daila Ojeda), nicht mehr in der Lage ist das Bremsseil zu halten, ein Absturz ausgeschlossen. Das können natürlich auch die anderen Halbautomaten und mit Einschränkungen auch die Auto-Tuber, aber ein klassischer Tuber eben nicht.
  6. Natürlich ist auch die Bi-Direktionalität des Revo, gerade für eher unerfahrene Kletterer, ein immenser Sicherheitsgewinn, da das Seil nicht falsch herum eingelegt werden kann.
  7. Da das Seil beim Revo nicht zwischen zwei Klemmnocken ziemlich brutal eingeklemmt wird, wie bei den anderen Halbautomaten und auch nicht über eine Kante umgelenkt wird wie bei den (Auto-) Tubern, können wir uns vorstellen, dass es zum einen insgesamt Seilschonender ist und zum anderen auch nicht zu der bekannten Abflachung des Seilquerschnitts kommt, die bei intensivem Gebrauch mit den „Klemmnocken-Halbautomaten“ oft zu beobachten ist.
  8. Der Bereich der zur Verwendung zugelassenen Seildurchmesser ist beim Revo ziemlich groß und dürfte unserer Einschätzung nach auch in der Praxis komplett und ohne Einschränkungen nutzbar sein, da das Gerät sich durch die Konstruktion mit dem v-förmigen Einschnitt mit Bremsrippen, ähnlich wie ein Tuber mit v-förmiger Seilführung sehr gut an unterschiedlichste Seildurchmesser anpassen kann.

Das Revo von Wild Country ist super zu bedienen und bietet, unserer einhelligen Meinung nach, einige Vorteile im Vergleich mit bekannten Sicherungsgeräten, gerade was den Handling, aber eben auch die Sicherheitsaspekte betrifft. Insofern sind wir tatsächlich der Meinung, dass das Revo ein großer Schritt hin zu mehr Bedienkomfort und Sicherheit ist und den Markt der Sicherungsgeräte für das Sportklettern, mit dem bisherigen Platzhirsch Grigri, gehörig aufmischen wird und deshalb seinen Namen Revo(lution) durchaus zu recht trägt.
Insgesamt sehen wir auch im Markt der Sicherungsgeräte für die Zukunft eine Spezialisierung. Alle Halbautomaten bleiben nach wie vor reine Sportklettergeräte für den gut gesicherten Klettergarten oder die Kletterhalle. Das Revo kann, da man mit ihm wohl weicher sichern kann, als mit anderen Halbautomaten, auch für Trad-Routen, die mit Einfachseil geklettert werden, eingesetzt werden.
Das Revo ist optimal geeignet, für den Sportkletterer, der häufig On-Sight oder Rot-/Pink-Point klettert, ohne dabei exzessive Ausbouldersessions zu machen. Zum intensiven Ausbouldern von Routen sind nach wie vor die anderen Halbautomaten besser geeignet, weil man den Partner beim Sitzen im Seil nicht aktiv halten muss. Kletterer, die Ihrem Hobby sehr intensiv frönen, werden wohl aus jedem Bereich ein Sicherungsgerät besitzen und beherrschen um situationsabhängig das jeweils am besten geeignete einsetzen zu können.

Sehr gespannt sind wir natürlich auch schon, wie sich das ebenfalls neue Grigri + (Plus) mit Panikfunktion und Umstellung zwischen Top-Rope und Vorstiegs Funktion im Vergleich schlägt.

Das ebenfalls neue Grigri+ von Petzl mit Anti-Panik-Funktion und zwei "Betriebsarten"
Das ebenfalls neue Grigri+ mit Anti-Panik-Funktion und zwei „Betriebsarten“

Abschließend muss man natürlich auch beim Revo sagen, es mag ein weiterer Schritt hin zu einem sichereren Klettern sein, aber natürlich darf man auch mit diesem Gerät sein Hirn nicht Zuhause lassen und sollte sich am Anfang bewusst und intensiv mit dem neuen Gerät beschäftigen.
Climb safe!

 

ISPO 2017 Neuigkeiten

Die ISPO, die immer Ende Januar / Anfang Februar in München stattfindet und Produkte für die jeweils ein 3/4 Jahr darauf folgende Wintersaison vorstellt ist erfahrungsgemäß für die Kletterer weniger spannend als die Outdoor im Juni in Friedrichshafen. Die eine oder andere spannende Neuigkeit aus dem Kletterbereich konnten wir aber auch dieses Jahr auf der ISPO wieder finden…

Der neue Petzl Sirocco Kletterhelm:

Von den Neuheiten, die im Kletterbereich vorgestellt wurden, fanden wir den neuen Helm von Petzl am interessantesten:

Der neue Helm hört auf den Namen Sirocco, ist also eigentlich gar nicht neu, sondern eine Weiterentwicklung des schon seit 2012 verkauften Sirocco, dem ersten Kletterhelm aus EPP (expandiertes Polypropylen). Dieser ist nach wie vor der leichteste Kletterhelm auf dem Markt. Petzl hat seinen High-Tec und Low-Weight Helm in allen Bereichen einer kompletten Überarbeitung unterzogen und herausgekommen ist ein sehr sicherer, für die Bauart extrem robuster, trotzdem noch rekordverdächtig leichter Kletterhelm, der unserer Meinung nach jetzt auch noch ziemlich geil aussieht und einem so ab dem Herbst wohl wirklich keine Ausrede mehr läßt keinen Helm aufzusetzen.

Mehr zu diesem super interessanten Helm und was von Petzl alles verändert wurde werden wir sehr bald hier posten…

Neuigkeiten bei Kletter-Tests:

Die ISPO ist aber natürlich auch Szenetreffpunkt und eine gute Möglichkeit mit den Herstellern in Kontakt zu bleiben. Wir konnten auf dieser ISPO erfolgreich die Weichen stellen, dass wir ab dem Herbst auch zusätzlich Kletter- und Boulderbekleidung testen werden, wo wir uns bisher eher auf den Hardware und Schuhbereich konzentriert hatten. Ein paar kleinere Tests werden wir sicher schon über den Sommer realisieren können, losgehen wird es dann so richtig  im Herbst mit einem großen Vergleichstest sogenannter Hybrid-Jacken.

Vor- und Nachteile der jeweiligen Schnapper-Bauform bei Expressen

Da bei Expressen eigentlich ausschließlich Karabiner in D-Form Verwendung finden, ist der offensichtlichste Unterschied bei den Karabinern die Form bzw. Bauart des Schnappers. Es gibt hier die klassische Bauform mit einem „massiven“ Schnapper aus Alu und die neuere Bauform mit einem „filigranerem“ Schnapper aus Draht. Da man unserer Meinung nach nicht sagen kann, die eine oder die andere Form ist die bessere, da beide Bauformen sowohl Vor- als auch Nachteile in sich tragen, haben wir hier einmal die Vor und die Nachteile der beiden Bauformen aufgelistet und zusätzlich farblich differenziert, für welchen Einsatzbereich diese Bewertung jeweils relevant ist:

Allgemein Klassischer Schnapper Drahtschnapper
Allgemein Schwerer Leichter
Allgemein Robuster Anfälliger für z.B. Verbiegen
Allgemein Anfälliger für sog. Whiplash-Effekt Weniger anfällig für sog. Whiplash-Effekt
Allgemein Besseres Handling Schlechteres Handling
Eisklettern und Hochtouren Größere Gefahr des Einfrierens und Vereisens z.B. beim Eisklettern oder auf Gletschern Geringere Gefahr des Einfrierens und Vereisens z.B. beim Eisklettern oder auf Gletschern
Allgemein Teilweise höhere Bruchlastwerte bei Querbelastung Teilweise niedrigere Bruchlastwerte bei Querbelastung
Allgemein Nur noch Modelle mit Keylock-Verschluss (Clean-Nose) im Handel Gerade bei günstigen oder sehr leichten Karabinern oft noch mit Nase am Verschluss, was sowohl beim Handling als auch bei der Sicherheit Nachteile bringt.

 

Testdesign und Anforderungsprofil Sportkletter-Exen

Bei einer Exe einem Express-Set, welches ausschließlich oder zumindest hauptsächlich zum Sportklettern genutzt wird, ist das Anforderungsprofil unserer Meinung nach folgendermaßen:

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